Candida Höfer
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf I 2012, 2012, 152 x 209,4 cm
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf II 2012, 2012, 152 x 121,4 cm
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf III 2012, 2012, 152 x 120,6 cm
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf IV 2012, 2012, 152 x 202 cm
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf V 2012, 2012, 152 x 212 cm
Candida Höfer, Haus der Wissenschaften Düsseldorf VI 2012, 2012, 152 x 203,4 cm
Courtesy the Artist
Sechs großformatige Fotografien aus Candida Höfers Serie „Haus der Wissenschaften Düsseldorf“ 2012 zeigen Innenräume der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, der die Künstlerin seit 2010 als Mitglied der Klasse der Künste angehört. Ihr Blick auf das von Hans Schwippert entworfene Karl-Arnold-Haus ist somit nicht allein der einer außenstehenden Beobachterin, sondern zugleich eine Perspektive aus der Institution heraus. Ihre Fotografien untersuchen sowohl die Architektur der westdeutschen Nachkriegsmoderne als auch die räumliche Ordnung eines Ortes, an dem wissenschaftlicher Austausch, künstlerische Arbeit und gesellschaftliche Repräsentation zusammentreffen.
Elegisch wie nüchtern fotografiert Höfer seit den 1980er-Jahren vorwiegend öffentliche und halböffentliche Innenräume wie Bibliotheken, Museen, Theater und Hörsäle. Charakteristisch ist die Abwesenheit von Menschen gerade an Orten, deren Funktion sich durch ihre gemeinschaftliche Nutzung bestimmt. Leere Stuhlreihen, Tische, Türen, Beleuchtungskörper und andere Details lassen die technischen Bedingungen, Hierarchien und Rituale erkennen, die den sich darin vollziehenden sozialen Raum mitbestimmen. Höfer fotografiert dabei häufig jenen Zwischenzustand, in dem eine Veranstaltung beendet ist oder unmittelbar bevorzustehen scheint. Die Räume wirken nicht verlassen, sondern in Erwartung ihrer nächsten Aktivierung.
Im Zusammenhang mit „Echtzeit“ tritt damit eine Zeitlichkeit in den Vordergrund, die gewöhnlich wenig Beachtung findet: die Zeit zwischen den Ereignissen. Zugleich begegnen die 2012 aufgenommenen Räume vierzehn Jahre später innerhalb desselben Gebäudes ihrer eigenen Gegenwart. Die Fotografien werden so sowohl zu Dokumenten eines vergangenen Zustands als auch zu Gegenbildern des heute Erlebten. Aufnahme und gegenwärtiger Raum überlagern sich, ohne miteinander identisch zu sein, und artikulieren in ihrer Differenz die langsame, unweigerliche Wandlung von Institutionen.
Candida Höfer (*1944) ist eine der international prägendsten Fotografierenden und seit 2010 Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Mit einer präzisen wie streng komponierten Bildsprache fängt sie in großformatige Aufnahmen menschenleere Innenräume aus öffentlichen Institutionen wie Museen, Theatern und Bibliotheken ein. Damit legt sie offen, wie Architektur gesellschaftliche Ordnungen, Wissen und Macht strukturiert und diese zugleich räumlich verkörpert. Durch fehlende menschliche Präsenz treten insbesondere die technischen Bedingungen und die in den Räumen verankerten Hierarchien hervor.
Höfer studierte bei Bernd und Hilla Becher Fotografie an der Kunstakademie in Düsseldorf und gehört zu den Vertretenden der Düsseldorfer Fotoschule. 2002 nahm sie an der documenta 11 teil, im Folgejahr vertrat sie Deutschland auf der Biennale von Venedig.