Hans Haacke
News
1969-heute
ortsspezifische Installation.
Courtesy the artist and Paula Cooper Gallery, New York
Hans Haackes „News“ entstand 1969 für die Ausstellung „Prospect 69“ in der Kunsthalle Düsseldorf und gehört zu den wegweisendsten Arbeiten, mit denen der Künstler das Kunstwerk als offenes, sich kontinuierlich veränderndes Realzeit-System versteht. Ursprünglich empfing ein Fernschreiber fortlaufend Nachrichten der Deutschen Presse-Agentur und druckte sie während der damaligen Wahlen unmittelbar im Ausstellungsraum aus. In der Nordrhein-Westfälischen Akademie für Wissenschaften und Künste wird das Werk nun, 57 Jahre später, durch drei Tageszeitungen und drei Drucker gespeist: die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Frankfurter Rundschau“ und die „Süddeutsche Zeitung“, deren Tickermeldungen sich als kontinuierlicher RSS-Feed von Nachrichten im Raum materiell manifestieren.
Die Bedeutung von „News“ liegt dabei weniger im Inhalt der einzelnen Meldungen als darin, dass Haacke die Infrastruktur ihrer Übermittlung selbst zum künstlerischen Material macht: Information produziert sich vor den Augen der Betrachter und verändert fortlaufend den Raum. Indem unterschiedliche journalistische Quellen parallel sichtbar werden, erscheint Öffentlichkeit als Gefüge verschiedener Perspektiven, redaktioneller Entscheidungen und zeitlicher Rhythmen.
Bereits 1969, im Jahr des ersten globalen „Echtzeit“-Events, der Mondlandung, brachte Haacke die politische und gesellschaftliche Gegenwart unmittelbar in den vermeintlich abgeschlossenen Raum der Kunst. In der Akademie erhält diese Verschiebung eine besondere Resonanz: Das Werk trifft auf einen Ort, an dem Wissen gesammelt, erzeugt und vermittelt wird, und stellt dabei eher die Medien und Bedingungen dieser Vermittlung in den Vordergrund. Heutzutage erscheint „News“ als geradezu prophetische Arbeit, denn Jahrzehnte vor Internet, Social Media und permanenten Live-Feeds formuliert Haacke bereits ein Modell, in dem Gegenwart als kontinuierlicher Informationsstrom erfahrbar wird.
Hans Haacke (*1936 in Köln) ist ein deutscher Konzeptkünstler, der in New York lebt und arbeitet. Er etablierte Ende der 1960er Jahre Kunstwerke, die sich als offene Prozesse in Echtzeit, als „Real-Time System“, stetig fortentwickeln. Standen zu Beginn insbesondere physikalische und biologische Prozesse wie beispielsweise die Kondensation von Wasser in einem Kubus oder das Wachstum von Pflanzen im Fokus seiner Arbeit, adaptierte er dieses Prinzip später für politische und soziale Systeme. 1999/2000 schuf er die Arbeit „DER BEVÖLKERUNG“ für das Reichstagsgebäude, ein frei wucherndes Biotop im Innenhof, in das Abgeordnete Erde aus ihren Wahlkreisen einbringen und in dessen Mitte die Inschrift DER BEVÖLKERUNG in Neonbuchstaben leuchtet. So macht Haacke die Verflechtungen von Kunst, Wirtschaft und Politik sichtbar.
Haacke studierte von 1956 bis 1960 an der Staatlichen Werkakademie Kassel. Von 1967 bis 2002 lehrte er als Professor an der Cooper Union in New York. Er nahm mehrfach an der documenta teil und erhielt 1993 gemeinsam mit Nam June Paik den Goldenen Löwen für den Deutschen Pavillon auf der Biennale von Venedig. Das New Museum in New York widmete ihm 2019 eine große Retrospektive.