Moritz Riesenbeck
Normcore
2022 – heute
PRIMUS - breakable biofieler Dummy, SilikonPRIMUS - breakable biofieler Dummy, Silikon
175 x 60 x 25 cm
Sympathetic magic
2022 – heute
60 x 20 x 25 cm
Silikon, Edelstahl, Aluminium-Kreuzverbinder
Courtesy the Artist
In Zusammenarbeit mit der CTS Crash Test Service GmbH entwickelte und erprobte Moritz Riesenbeck den Prototypen eines Crashtest-Dummys. Bei sogenannten Biofidele Dummies handelt es sich um Nachbildungen des menschlichen Körpers, die dessen Proportionen und physikalische Eigenschaften möglichst realitätsgetreu wiedergeben. Sie unterscheiden sich von den starren Dummies der Automobilindustrie in Zweck und Bauweise und werden mit Präferenz für die Rekonstruktion von Unfällen eingesetzt. Vor Simulation der Unfälle stattete Riesenbeck die Dummies mit Silikonabgüssen seines eigenen Kopfes aus, wodurch er selbst zum Testobjekt wurde.
Das hier gezeigte Exemplar wurde nach einem Hochgeschwindigkeits-Crashtest ausgewählt, von dessen Spuren sein Körper sichtbar gezeichnet ist. Ein solcher Aufprall währt nur wenige Millisekunden und entzieht sich damit der menschlichen Wahrnehmung in Echtzeit. Erst Hochgeschwindigkeitskameras und Sensoren machen den Crash erfass- und messbar, indem sie den Körper als Datenstrom aus Beschleunigung, Kraft und Belastung aufzeichnen.
Seiner Konstitution nach gibt der Dummy die Erscheinung eines bewusstlosen Menschen wieder und weckt Mitgefühl bei den Betrachtenden, obwohl es sich dabei um nichts anderes als ein wissenschaftliches High-Tech-Instrument handelt. Mit seiner Versetzung in den Ausstellungsraum erfährt der CTS-Dummy eine Rekontextualisierung und bewahrt zugleich die Spuren der Zeit als dokumentarisches Zeugnis immanent auf seinem Körper: Blessuren und Deformationen sind für die Ewigkeit fixiert und werden in jedem Moment der Betrachtung visuell wie emotional in Echtzeit phänomenologisch erfahrbar.
Moritz Riesenbeck (*1991) ist ein deutscher Künstler, der in Düsseldorf lebt und arbeitet. In seinem Werk verhandelt er die reflexive Beziehung zwischen dem Menschen und den ihn umgebenden architektonischen wie sozialen Räumen. Sein skulptural-installatives Schaffen kreist insbesondere um die Fragilität des Körpers an der Schnittstelle zur Technologie. Riesenbeck nutzt Alltagsobjekte sowie vorgefundene Architekturen und transformiert sie, um deren verborgene Zeitschichten und die ihnen immanenten gesellschaftlichen Bedingungen erfahrbar zu machen.
Nach einem Architekturstudium in Münster schloss er 2022 sein freies Kunststudium an der Kunstakademie Düsseldorf als Meisterschüler von Gregor Schneider ab. Im Anschluss lehrte er Architektur und Industrial Design an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart (ABK).