Nina Canell
Elsewhen
Conveyor belt, stones
2024
105 x 59 x 54 cm, 70 kgs
© the artist, courtesy Akademie-Galerie, Eine Einrichtung der Kunstakademie Düsseldorf
„Elsewhen“ (2023) ist ein leise dröhnender und mahlender, kinetischer Apparat. Bereits im Titel verschränken sich auf unerwartete Weise Raum und Zeit. Das Werk setzt Canells anhaltende Auseinandersetzung sowohl mit Mineralien als auch mit den produktiven Kräften der Unordnung fort, die in technologischen Systemen verborgen liegen. Auf Spaziergängen gefundene Kieselsteine werden durch das unvorhersehbare Zusammenspiel ihrer unregelmäßigen Formen mit dem gleichförmigen Ablauf der Maschine in ständiger Bewegung gehalten. Zugleich wird die Maschine zu einer Einladung, über das Wechselspiel größerer und kleinerer Kräfte nachzudenken, die das Leben jedes einzelnen Wesens in einem weit verzweigten Netz von Abhängigkeiten bestimmen.
„Elsewhen“ steht für Canells skulpturale Praxis, in der nicht das fertige Objekt, sondern Prozesse, Beziehungen und Energieflüsse im Zentrum stehen. Die schwedische, in Berlin lebende Künstlerin arbeitet häufig mit einfachen, gefundenen oder industriellen Materialien – darunter Stein, Holz, Kupfer, Kabel, Glas, Wasser oder Elektrizität – und bringt sie in Konstellationen, in denen physikalische und chemische Vorgänge sichtbar oder spürbar werden, in Prozessen wie Übertragung, Reibung, Vibration, Zirkulation. Auch Architektur und technische Infrastruktur spielen eine wichtige Rolle: Räume erscheinen bei Canell nicht als neutrale Behälter, sondern als aktive Systeme, in denen sich Kräfte, Materialien und Bewegungen organisieren.
In „Elsewhen“ wird dieser Gedanke in Echtzeit erfahrbar. Die Maschine erzeugt keinen abgeschlossenen Zustand, sondern einen fortlaufenden Prozess, vermeintlicher Optimierung, dessen Verlauf aus dem Zusammenspiel technischer Regelmäßigkeit und materieller Unberechenbarkeit entsteht. Canells Skulptur verschränkt so menschliche Konstruktionen, geologische Zeit und die unmittelbare Gegenwart des Geschehens.
Die schwedische Bildhauerin Nina Canell (*1979) lebt und arbeitet in Berlin. Seit 2024 lehrt sie als Professorin an der Kunstakademie Düsseldorf. Im Zentrum ihres material- und prozessorientierten Œuvres steht die Erforschung von Beziehungen und Energieflüssen. Hierin erprobt sie das transformatorische Potenzial von organisch gewachsenen Naturmaterialien und industriell produzierten Technikteilen, die sie vorfindet. Mit Steinen, Kupfer, Kabeln, Wasser und Elektrizität macht sie physikalische Prozesse wie (Daten-)Übertragung, Reibung oder Vibration nicht nur visuell erfahrbar, sondern auch physisch spürbar.
Canell studierte am Dún Laoghaire Institute of Art, Design and Technology in Dublin. Einzelausstellungen zeigten u. a. der Hamburger Bahnhof Berlin, das Moderna Museet Stockholm und das S.M.A.K. Gent. 2017 vertrat sie Schweden im Nordischen Pavillon der Biennale von Venedig.