Rosemarie Trockel

Beauty (1995)

„Beauty“ zeigt ein Ensemble von zwölf die Wand tapezierten Porträtfotos von Mannequins – elf Frauen, ein Mann – deren Gesichter Trockel mit einer Software aus den 1990er Jahren bearbeitet hat. Sie spiegelte jeweils eine Gesichtshälfte auf die andere. Das Ergebnis dieser "prä-AI"-Operation ist technisch makellos und menschlich befremdlich zugleich. Denn das menschliche Gesicht ist von Natur aus asymmetrisch – die Spiegelung erzeugt stille wie bisweilen humorvolle Irritation statt Harmonie.

Rund dreißig Jahre später hat sich dieser Blick grundlegend verschoben, denn Millennials, Generation Z und die nach ihnen aufgewachsenen Generationen kennen keine Welt ohne digitale Filter, algorithmisch kuratierte Feeds und KI-gestützte Bildbearbeitung. Aufgespritzte Lippen, Katzenaugen, porenlose Haut, was älteren Generationen noch als Überzeichnung erscheint, ist für viele Jüngere zur selbstverständlichen Referenz geworden, an der sie den eigenen Körper messen.

Rosemarie Trockel (*1952) ist eine deutsche Konzept- und Medienkünstlerin, die mit Zeichnung, Video, Installation, Skulptur und Textilien arbeitet. Internationale Bekanntheit erlangte sie durch ihre gestrickten Bilder, mit denen sie traditionelle Rollenbilder und Vorstellungen von Kunst kritisch hinterfragt. Ihre Werke verhandeln Feminismus, Gesellschaft und kulturelle Strukturen oft mit ironischem Unterton. Sie zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Künstlerinnen Deutschlands und stellte weltweit aus.