Seth Price
Redistribution
2007 - (fortlaufend)
Einkanal-Video
Farbe, Ton, diese Version: 02:20:14
© the artist, Courtesy Galerie Gisela Capitain, Cologne
„Redistribution“ 2026–2007 von Seth Price ist ein fortlaufendes multimediales Projekt, das vor fast zwei Jahrzehnten als Diavortrag im Guggenheim Museum begann. Inzwischen liegt die Arbeit in ihrer elften Fassung vor und wird als nie abgeschlossener, kontinuierlich aktualisierter Einkanalfilm in der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gezeigt. Jede Fassung ist eigenständig und schreibt die vorherige neu. Ausgehend von der Dokumentation seines ursprünglichen Vortrags bearbeitet Price das vorhandene Material durch Montage, Überlagerungen sowie neu hinzugefügte und archivierte Inhalte.
So wird „Redistribution“ zu einem collageartigen filmischen Essay und einer philosophischen Untersuchung, die Fiktion, Dokumentation, Performance und Autobiografie miteinander verbindet. Bewusst ohne feste narrative oder kompositorische Ordnung angelegt, hat die Arbeit in ihren jüngeren Fassungen durch tagebuchartige Eingriffe eine zunehmend persönliche Dimension erhalten. Ihre Themen und Referenzen reichen von der Kunstgeschichte – von prähistorischen Höhlenmalereien bis zur Renaissance – über Konsumkultur und Kunststoffproduktion bis zu einschneidenden historischen Ereignissen wie 9/11 und der COVID-19-Pandemie. Ebenso verhandelt das Werk die Entwicklung digitaler Technologien, Fotografie und Film sowie persönliche Erinnerungen und Aufnahmen aus Prices Leben.
Indem Price sein eigenes Archiv immer wieder neu sichtet und bearbeitet, verschränken sich individuelle und kollektive Geschichte, Fragen der Reproduktion und Autorschaft mit den Routinen des Alltags. Dabei entsteht keine lineare Chronologie, sondern eine Gegenwart, in der historische Bilder, globale Ereignisse und persönliche Erinnerungen gleichzeitig wirksam werden. Jede neue Fassung ordnet ihre Beziehungen aus einem veränderten zeitlichen Abstand neu. „Redistribution“ untersucht Echtzeit damit nicht als Unmittelbarkeit, sondern als eine durch Auswahl, Erinnerung und Montage immer wieder neu hergestellte Gegenwart.
Seth Price (*1973 in Ost-Jerusalem) ist ein US-amerikanischer Künstler, der in New York lebt und arbeitet. Er ist bekannt für seine interdisziplinäre und multimediale Praxis, in deren Fokus er den Einfluss von Technologie, Medien und digitaler Kultur wie dem Internet auf den Menschen stellt und untersucht, wie diese den Status des Subjekts bedrohen. Price testet und experimentiert mit Strategien wie der Aneignung (Appropriation), Piraterie und bewussten Ablenkungsmanövern. Sein fortlaufendes Videoprojekt „Redistribution“ verknüpft diese Ansätze mit der kontinuierlichen Recherche und Neubearbeitung seines eigenen Archivmaterials.
Er studierte an der Brown University in Providence moderne Kultur und gewann zahlreiche Preise für sein schriftstellerisches Werk. Anlässlich der documenta 13 realisierte er eine Modenschau in einem unterirdischen Parkhaus. Einzelausstellungen zeigten ihn u. a. im MAMbo Bologna, in der Kunsthalle Zürich, im Stedelijk Museum Amsterdam und im ICA London.