Tobias Hohn & Stanton Taylor
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Die Bibliothek im Karl-Arnold-Haus wird seit einiger Zeit kaum noch als Bibliothek genutzt. Die Bücher stehen ordentlich aufgereiht in den Regalen, aber niemand liest sie. Der Raum dient als Lager, gelegentlich als Konferenz- und Pausenraum. Dieser Zustand – weder funktional noch vollständig aufgelöst – war für Tobias Hohn und Stanton Taylor der Ausgangspunkt ihrer ortsspezifischen Neuproduktion.
Für ihre Intervention haben sie alle Bücher aus den Regalen geräumt und neu im Raum verteilt. Einen Großteil stapelten sie entlang der langen Fensterfront, Rücken an Rücken, bis aus den Büchern eine Mauer wurde, die das Tageslicht filtert und den Raum verändert. Weitere Bücher wurden auf ehemaligen, nun ungenutzten Schreibtischen zu inselhaften Formationen aufgeschichtet – Anhäufungen, die an Infografiken oder Diagramme erinnern, ohne konkret etwas zu behaupten. Das Material bleibt, was es war; lediglich seine einstige Ordnung wird vollständig aufgehoben.
Hans Schwippert entwarf die Bibliothek als den intimsten Raum des Hauses – der einzige, für den er eine detaillierte Innenraumperspektive anfertigte. Was passiert mit einem Raum, wenn sein vorgesehener Inhalt seine Funktion verloren hat, die Architektur aber weiter besteht?
Ergänzt wird die Installation durch eine Audioarbeit. Über Radios, die im Raum verteilt sind, wird eine Übertragung eingespielt, die an die frühere Verbindung des Gebäudes mit dem WDR erinnert – an eine Zeit, in der von hier aus gesendet, diskutiert, verhandelt wurde. Stimmen kehren zurück in einen Raum, der das Schweigen eingeübt hat.
Tobias Hohn & Stanton Taylor – Tobias Hohn (*1991 in Prüm) und Stanton Taylor (*1990 in Port of Spain, Trinidad und Tobago) arbeiten seit 2014 zusammen. Beide studierten an der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie sich kennenlernten. Ihre gemeinsame Praxis kreist um Räume, die ihre ursprüngliche Funktion verloren haben – um das, was bleibt, wenn der eigentliche Zweck verschwunden ist, oft untersucht anhand konkreter, historisch aufgeladener Orte. Hohn studierte zuvor Film an der HFF München sowie Psychologie in Düsseldorf, Taylor nahm 2024–2025 am Berlin Program for Artists teil.