Yoora Park
Strange Attractor
2026
Zwei-Kanal-Installation
Dimensionen variabel
Sculpture of a trotting horse
2024
Messing
4,9 x 5,8 cm
Sobald man den Saal betritt, wird man unmittelbar von einer tonalen Wucht ergriffen. Mit ihrer Soundinstallation „Strange Attractor“ funktioniert Yoora Park den historischen Diskussionssaal in einen vibrierenden Schallkörper um, dessen akustische Kräfte sofort leiblich spürbar werden. Es entsteht die Echokammer einer flüchtigen Stimme, deren akustische Grundlage eine Sequenz aus dem Film „Cast Away“ bildet, die isoliert und verdichtet, abstrahiert und stimmlich verfremdet wurde.
Aus der Überblendung des Materials zu einem beschleunigten Loop resultiert ein komplexes Stimmengewebe, das die Wahrnehmung der Besuchenden kippt: Hierfür nutzt Park das Prinzip der „phantom word illusion“, ein akustisches Phänomen, welches das Gehirn zwingt, nach vertrauten sprachlichen Mustern in auditivem Chaos zu suchen. Durch permanente wie hochfrequente Wiederholung und das orchestrierte Stereo-Zusammenspiel der beiden Tonkanäle wird das Sprachfragment unbeständig. Statt die Bedeutung des Gesagten durch Wiederholung zu verfestigen, wird vernommene Sprache weniger verlässlich. Man beginnt Phrasen und Geräusche wahrzunehmen, die dem akustischen Material nicht immanent sind, wodurch die Zuhörenden selbst zum produzierenden Resonanzraum des Klangteppichs werden.
Dazu impliziert das Sprachmaterial ein kommendes, aber niemals eintreffendes Ereignis – ein ausbleibendes Moment, wie man es als spannungsgeladenen Cliffhanger aus filmischen Szenen kennt. In dieser gedehnten Verzögerung schlägt das Vertraute ins Offene um, messbare Dauer zerfließt in metaphysisch erlebte Zeit und lässt die Besuchenden in einem faszinierenden wie befangenen Schwellenraum zurück.
Während im Saal eine verfremdete Stimme unbekannte Räume in den Besuchern öffnet, kehrt sich dies in einem der Projekträume im Haus um: Hier ist eine miniaturhafte Messingarbeit zu entdecken, die an geheime Spionagecodes auf Briefmarken erinnert. Sie besteht aus dem Bruchstück einer „kkwaenggwari“ – einem traditionellen koreanischen Gong, der den Beginn eines Rituals markiert. Die Form des Objekts ist dem fehlerhaften Raummapping eines Saugroboters entlehnt, der Wände als offene Räume übersetzte. Hinter der Tür versteckt und damit physisch nicht erreichbar wirktes wie ein codierter Schlüssel zu einem mentalen, technischen, oder wie auch immer gearteten zu öffnenden Raum.
Yoora Park (*1991 in Ulsan, Südkorea) lebt und arbeitet in Düsseldorf. In ihrem Werk konzentriert sie sich auf die Verräumlichung von Klang in skulpturalen und installativen Arbeiten, worin sie die mediale Grenze zwischen Sound und Skulptur durchbricht. In physischen Objekten, die an das Alltägliche entsinnen, darunter Standheizungen und kleine kindlich anmutende Figuren, nehmen dissonante Klangteppiche, komponierte Alltagsgeräusche und Akkordabfolgen eine physische Gestalt an. Damit transformiert die Künstlerin das Hören in eine die auditive Dimension überschreitende und leiblich immersive Erfahrung für die Betrachtenden.
Park besuchte mit einem Vollstipendium die „Purcell School of Music“ in London und studierte anschließend an der Kunstakademie Münster sowie der Kunstakademie Düsseldorf, wo sie 2020 abschloss. Ihre Arbeiten sind unter anderem in der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen vertreten. Sie wurde mit dem Förderpreis der Freunde der KHM Köln (2022), dem Chargesheimer-Stipendium für Medienkunst der Stadt Köln (2023) sowie dem Ars Viva Preis (2027) ausgezeichnet.